Die Ebenen der Trauer von Alexandra Kossowski

Die Ebenen der Trauer von Alexandra Kossowski 1

Eine Freundin von mir meldet sich. Sie hat soeben erfahren, dass ihr Ex-Freund durch eine schwere Krebserkrankung gestorben ist. Sie erzählt mir, dass sie total überrascht, ist, wie sehr es sie mitnimmt, da die beiden zuletzt kein gutes Verhältnis hatten. Und dass sie doch durch ihre eigenen Verluste schon so viel mit Tod und Sterben zu tun hatte – eigentlich kenne sie die Trauer doch.

Ich bin ihr dankbar für ihre rohen Gefühle und Gedanken, die sie da so ganz ungefiltert mit ihr teilt.

Trauert man nur, wenn man ein gutes Verhältnis hatte?

Ich denke nach. Warum glauben wir, dass wir nur trauern, wenn jemand stirbt, den wir mochten? Oder mit dem wir zuletzt ein gutes Verhältnis hatten?

Ich sehe das so:

Gute Zeiten

Da die beiden eine Beziehung geführt haben, hatten sie ja auch gute Zeiten. Waren verliebt, glücklich, haben Dinge miteinander erlebt, Erinnerungen geschaffen. Das darf betrauert werden, auch wenn wir denken, dass wir das mit der Trennung bereits getan haben.

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Die Traurigkeit eines frühen Todes

Wir trauern vielleicht auch, weil jemand – unabhängig von unserer Beziehung zu dieser Person – früh gestorben ist. Vielleicht krank war, Schmerzen hatte, Leid ertragen musste. Das geht uns auf menschlicher Ebene einfach nah, egal wie eng oder eben nicht wir miteinander gewesen sind.

Im Tod fragen wir nach dem Sinn

Der Tod wirft einfach nochmal ein ganz anderes Licht auf das Leben. Und damit auch unsere Beziehungen. Wir sehen vieles auf einmal anders, hinterfragen unser Verhalten oder den Sinn dahinter. Gerade wenn eine Beziehung am Ende nicht mehr gut war, vielleicht kommen Fragen auf wie „Warum konnten wir das nicht lösen?“ oder „Was waren auch meine Anteile daran?“. Wo bist du vielleicht noch verstrickt mit der verstorbenen Person?
All das kann jetzt nicht mehr eins-zu-eins besprochen werden. Auch das kann eine Ebene der Trauer sein.

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Jeder Verlust ist anders und bringt eine neue Trauer mit sich

Meine Freundin ist jung verwitwet und ihre Mutter starb ebenfalls früh. Man könnte denken, dass sie weiß, wie Trauer geht oder was passiert.
Nicht zwangsläufig. Jeder Verlust ist anders, so wie jeder Mensch und jede Beziehung. Auch wir sind andere Menschen geworden in der Zwischenzeit. Es gibt immer wieder neue Umstände, neue Facetten, neue Situationen, in denen wir uns befinden.

Trauer wird nicht leichter, umso öfter wir sie erleben. Sie wird anders.

„Gönnt“ euch all eure Gefühle

Dein Ex-Mann stirbt nach einem harten Rosenkrieg? Du darfst trauern, um den Menschen, dessen Leben nun zu Ende ist. Um die schöne Zeit, die ihr gemeinsam hattet. Um das, was nie gesagt wurde. Um das, was nicht funktioniert hat. Um das, was zwischen euch war. Darum, dass alles, was euch verbunden hat – auch das Schlechte – in diesem Leben vorbei ist.
Darum, dass die Endlichkeit ganz präsent geworden ist….

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