Der eigenen Trauer begegnen mit Nicole Borho

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Mit Emotionen kommen wir auf die Welt und können sie erstmal alles andere als beherrschen. Wie auch, denn erst durch das Leben mit den alltäglichen Erfahrungen lernen wir unsere Gemütsbewegungen zu verstehen und zu erweitern. Wer weiß schon, dass erlebte „Gefühle“ das Bewusstwerden vorangeganger Emotionen beschreiben und damit das Bedürfnis zum Ausdruck entstehen lassen, dass wiederum die Sehnsucht nach Verbindung widerspiegelt.

Es ist interessant, auf welche Weise sich dabei Trauer ausdrücken lassen kann. Es ist nämlich nicht immer nur das „Reden“, mit dem man seinen Emotionen Ausdruck verleihen oder eine Verbindung schaffen kann. Da ist die Tochter, die irgendwann damit begonnen hat, ein Stück Kuchen zu ihrem Kaffee zu bestellen, weil Mama das immer so machte. Der Sohn, der erst Spaziergänger wurde und dann beim Trekking landete, weil Vater morgens und abends seine Runden drehte oder der Vater, der nun stolzer  Longsleeves Träger ist – komplett tätowierte Arme, vom Handgelenk bis zur Schulter -, weil seine Tochter sich diesen Tattoo Wunsch nicht mehr erfüllen konnte.  

Du siehst, Trauer und der Wunsch nach Verbindung zeigen sich auf jede erdenkliche Weise und dazu so, wie es am besten zu einem passt. Es muss keine irre große Sache sein, darf aber natürlich auch lebensverändernd sein. Du findest das Bedürfnis nach dem Ausdruck in den Mikro- und Makromomenten deines Lebens und erkennst dabei, wie du Emotionen erlebst oder verarbeitest und lernst dazu die Großen und kleinen Momente zu leben.

Bei allen vorangegangenen Beispielen deckt sich eine Tatsache, diese Menschen haben eine neue Verbindung zu ihren geliebten und sehnlichst vermissten Menschen gefunden und das aus sich selbst heraus und das ist das Schöne daran. Ich erinnere mich an eine Frau, die mir passend dazu sagte: „Ich spüre ihn in diesen Momenten ganz nah. Das tut mir gut.“

Um dich zu deiner möglichen Verbindung zu inspirieren, stelle ich dir heute Nicole Borho, die Seelenschneiderin vor. Wer auf Google nach ihr sucht, wird auf die Begriffe Trauerbegleiterin und Bloggerin stoßen. Das ist tatsächlich nur Teil davon, wer sie eigentlich ist und was sie ausmacht. Sie ist auch Malerin, Reiki Meisterin und noch vieles mehr. Vor allem ist sie aber auch Seelenschneiderin, die mit ihren individuellen Erinnerungskissen Verbindungen schafft und dazu auch für jedermann und -frau in ihrer Trost-Werkstatt Workshops die Möglichkeit bietet, eigene Erinnerungskissen zu erschaffen.

Lerne mit uns Nicole Borho im Interview kennen und lass dich inspirieren.

Nicole Borho

Erst Erfahrungen formen einen Menschen. Was treibt dich an mit Trauernden zu arbeiten?

Meine Überzeugung ist, dass Erinnerungen unsere Quelle sind, aus denen Liebe und Lebendigkeit sprudeln. Was wirklich bleibt, sind unsere Liebe zueinander und unsere gemeinsamen Erinnerungen. Manchmal überdeckt der Schmerz die Erinnerungen, weil man als Trauernder erst einmal natürlich seinen Fokus auf den Verlust richtet. Sobald aber wieder gelingt, die Spuren der Erinnerungen wieder aufzunehmen, verstärkt sich der Blick auf das Verbindende und daraus kann Stärke gezogen werden.

Du ermöglichst es Menschen sehr persönliche Erinnerungskissen zu kreieren. Wie geht das vor sich und wie kann man sich die Entstehung  vorstellen?

Ich lasse in die Entstehung verschiedenes, wie Trauerrituale, Erinnerungsreisen und einfache kreative Arbeiten einfließen. Sie sollen den Trauernden den Zugang zu ihren Erinnerungen erleichtern diese wieder lebendig werden lassen.

Mit all diesen Komponenten entsteht dann ein sehr persönliches Erinnerungskissen, das ich für die Trauernden nähe, wenn sie es möchten.

Damit haben sie etwas Greifbares in den Händen, dass sie zu jeder Zeit und an jedem Ort mit ihren geliebten Menschen in Gedanken in Verbindung bringen kann.

Das ist spannend, das erfordert einiges an Erfahrung und du musst sicher eine Menge Intuition einfließen lassen?

Während der Arbeit fühle ich mich in die Trauernden ein und verbinde mich mit ihnen. Dabei zeigen sich vor meinem inneren Auge Bilder, Symbole oder es kommt mir ein Wort oder sogar ganze Sätze in den Sinn. Die betrachte ich als Wegweiser, die auf eine wichtige Erinnerung für die Trauernden hinweisen können. Diese Botschaften halten immer etwas positives für den Trauernden bereit und sind immer mit Liebe verbunden.

Für mich ist das jedes Mal ein magischer Moment und fühlt sich an, als wenn etwas aufbricht und in Fluss kommen darf. häufig huscht den Trauernden dabei ein Lächeln über das Gesicht, weil sie sich wieder mit dem geliebten Menschen verbunden fühlen und damit etwas Leichtes und Warmes den Raum erfüllt. Dort wo der Schmerz alles überdeckte, ist nun Verbundenheit und Einheit spürbar. 

Gibt es Erinnerungskissen oder Begegnungen mit Trauernden, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind oder dich selbst inspiriert haben?

Jedes Erinnerungskissen ist für mich etwas Besonderes, weil es mit einer persönlichen und einzigartigen Geschichte verbunden ist. Und an jede einzelne Geschichte kann ich mich erinnern, weil mich alle auf ihre Weise berührten.

Dennoch ist die Entstehungsgeschichte von Tanjas Erinnerungskissen etwas Einzigartiges, weil dabei mein erstes Erinnerungskissen entstanden ist.

Tanjas Vater verstarb vor 21 Jahren. Seither bewahrte sie ein persönliches Tuch in ihrem Schrank auf. Sie beauftragte mich, ihr ein Kissen in Erinnerung an ihren Vater zu nähen und dabei dieses besondere Tuch einzuarbeiten.

Nicole Borho

Wir begannen mit einem längeren Gespräch, in dem Tanja von ihrem Vater erzählte, was ihn ausmachte und was sie mit ihm verband. Aus den Eindrücken und ihren Erinnerungen, entstand dann Tanjas persönliches Papa-Erinnerungskissen.

Einige Zeit später schrieb mir Tanja, dass sie eine Ruhe in sich spüren würde, die sie lange vermisst hatte. Ihr Schmerz über den Verlust des Vaters habe sich in ein Gefühl der Verbundenheit verwandelt.

Aus heutiger Sicht betrachtet, hatte ich Tanja – ganz intuitiv – darin unterstützt, eine neue Verbindung zu ihrem Vater aufzunehmen. Hier standen die gemeinsamen Erinnerungen im Mittelpunkt. Viele Jahre überdeckte der Schmerz und das Erlebte diese kraftvolle Verbindung. Nach 21 Jahren durfte sich dieser endlich lösen und sich in ein neues Gefühl der Verbundenheit verwandeln.

Weil mich Tanjas Geschichte so berührte, wollte ich die Idee der Erinnerungskissen noch mehr in die Welt tragen. Dazu habe ich Trauer-Workshops und mein Trauer-Coaching erarbeitet.

Bitte vervollständige den Satz: „Im Laufe deines Trauerprozesses wirst du erleben, dass….

…du deinen geliebten Menschen nichtloslassen musst, um diese Lücke schließen zu können. Vielmehr geht es darum, eure gemeinsame Spur wieder aufzunehmen und darin eine neue Verbindung zu finden, um mit dem erlebten Verlust weiterleben zu können.“

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